Die sexy, eierlegende Wollmilchsau?

«Unser PPM-Tool muss alles können und einfach sein.» Als ich vor vielen Jahren einen jungen, innovativen Kunden beim Aufbau eines passenden Projektportfolio-Managements unterstützen durfte, war dies die Kernanforderung an eine Datenbanklösung gewesen, welche das damals herrschende, nicht effektiv führbare, «undurchsichtige Excel- und Anderes-Chaos» ablösen hätte sollen. «Finde mal was Gescheites!» hiess es.

«So etwas gibt es nicht, diese ‘sexy, eierlegende Wollmilchsau’ im Kleide eines PPM-Tools!» war meine Reaktion auf den verständlichen, aber aus meiner Sicht absolut widersprüchlichen Kundenwunsch. Wie beim Autokauf geht es darum, die Anforderungen und Wünsche gegeneinander abzuwägen, Kompromisse und Abstriche einzugehen. Nur so komme ich irgendwann zu «meinem Wunschauto». Wie in der Autoindustrie gibt es denn auch einen grossen PM- und PPM-Tool-Markt, der für all die vielen Kompromissmöglichkeiten eine passende Lösung bieten soll. (Ein kleiner Unterschied: Bei der PPM-Tool-Wahl sind meist mehr involviert als beim Autokauf. Vielleicht mit ein Grund, weshalb eine PPM-Tool-Entscheidung nie einfach sein kann?)

Ich sah es als meine Pflicht an, die Erwartungen unseres dynamischen Kunden früh zu dämpfen, um nicht viele spätere Frustrationen zu provozieren. So ein Tool kann und soll gut konstruiert sein, Look- and Feel-mässig mit der Zeit gehen, sich gut in die Welt einpassen, in welcher es Mehrwert (und Spass?) bringen soll. Aber einfach? Nein, das kann ein PPM-Tool nie und nimmer sein.

Und doch: Dieser Wunsch nach einem einfachen, motivierenden, alleskönnenden (PPM-)Tool begleitet uns, die CSP, bei Lösungs-Evaluationen immer wieder. So haben wir auch das «Erwartungs-Management» dazu in unseren Dienstleistungen fest verankert, so unter anderem auch mit dem regelmässig durchgeführten «PPM Praxistest». Eine Auswahl von 9 der fast durchgängig als «mächtig» bezeichneten PPM-Tools durften die Teilnehmer des Praxistests 2019 degustieren und bewerten. Im PPM-Praxisbericht sind die spannenden Ergebnisse des 4. Schweizer PPM-Praxistests zusammengestellt und kommentiert.

Mein Fazit: Der PPM-Tool-Markt ist dem Wunsch nach der sexy, eierlegenden Wollmilchsau wieder ein kleines Stücklein näher gekommen, wenngleich neue Trends (z.B. Agile Organisation) neue Komplexitäten auslösen. Die Anspruchswelt bleibt derart vielfältig, dass auch der PPM-Tool-Markt sehr mannigfaltig bleiben muss.

Und für welches Tools hatte sich damals mein Kunde entschieden? Für das Gegenteil von dem, was ich erwartet hätte: Er wählte einer der ältesten Marktplayer, der zudem als robust, aber sehr altbacken galt. Eine Faust aufs Auge meines hochmodernen Kunden. Wie das? Nun ja, «sexy» ist ein dehnbarer Begriff. Am Ende war es für den CEO genug «sexy», in erster Linie seinen Laden möglichst gut steuern zu können. Schnörkellos.

Dieser Beitrag wurde von Lukas Bieri erstellt.

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